Lass uns die Welt retten

Unsere Fleischeslust lässt die grössten Tierarten der Erde aussterben

„Are we eating the world’s megafauna to extinction?“, fragten sich Forscher der Oregon State University vor einiger Zeit und veröffentlichten im Februar eine wissenschaftliche Abhandlung mit eben diesem Titel. Sie untersuchten Tiere, welche im Vergleich zu anderen Arten innerhalb ihrer Klasse als ungewöhnlich gross galten. Diese Tierarten werden Megafauna genannt und sind gegenwärtig nur noch in Afrika und Asien zu finden. Beispiele für Megafauna sind der Walhai, der Beluga Wal, der Somali-Strauss und der afrikanische Elefant. Die Populations-Analysen zeigten, dass mindestens 200 Arten bereits rückläufig sind und über 150 dieser Arten vor der direkten Ausrottung stehen könnten.

Ist unsere Lust auf Fleisch wirklich Schuld daran?

Die Studie untersuchte wie menschliche Aktivitäten den Erhaltungszustand der Megafauna in den sechs Klassen; Säugetiere, Strahlenfische, Knorpelfische, Amphibien, Vögel und Reptilien, beeinflussen. Sie fanden 362 existente Tierarten, welche als Megafauna klassifiziert werden können und alle haben etwas gemein. Die grösste Bedrohung denen sie sich stellen müssen, ist der fleischessende Mensch.

Im Interview mit earth.com findet der Ökologie-Professor William Ripple klare Worte: „Für fast alle grossen Arten, von denen Gefährdungsdaten vorhanden sind, ist deren Tötung für den menschlichen Verzehr von Fleisch oder Körperteilen die grösste Bedrohung. Die Minimierung der direkten Tötung dieser Wirbeltiere ist daher eine wichtige Erhaltungstaktik, die viele dieser einzigartigen Arten und all ihre Beiträge zu ihren Ökosystemen retten könnte. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir gerade dabei sind, Megafauna bis zum Aussterben zu essen.“ Das Resultat: bereits 2% der Megafauna-Population wurde ausgerottet.

Ausserdem sagt er, dass durch den Verzehr verschiedener Körperteile vor allem auch die Anwender der asiatischen Traditionsmedizin den Bedarf nach diesen grossen Spezies erhöhen. In Zukunft sollen 70% der Populationen weiter abnehmen und sogar 59% der Arten könnten aussterben oder sehr sehr selten werden.

In der heutigen Zeit sind die Gründe für das Weiterführen solcher Praktiken einfach nur fragwürdig. Der überwiegende Teil der menschlichen Nahrung wird in der Landwirtschaft und Aquakultur produziert, und das meiste „wilde“ Fleisch stammt von kleineren Arten, welche in grösserer Fülle vorkommen. Dieses Raubtierverhalten des Menschen wird wohl oder übel zu einem beträchtlichen Rückgang der Megafauna führen. Populationen von Großtieren sterben rasanter aus, da sie im Vergleich zu kleineren Arten weniger häufig vorkommen und sich auch langsamer vermehren.

Was muss getan werden?

Es ist von grosser Dringlichkeit, dass wir das Aussterben solcher grossen Wirbeltiere in das Bewusstsein der Bevölkerung bringen. Denn bereits neun Megafauna-Arten sind zwischen den 1760er Jahren und 2012 ausgestorben und zwar jeweils aufgrund von übermässiger Jagd oder einer Kombination aus Jagd und Zerstörung des Lebensraumes. Dass man in Botswana nach fünf Jahren Verbot neuerdings wieder Elefanten jagen darf, lässt mich nur traurig den Kopf schütteln. Scheint als hätten die Menschen nicht aus ihren Fehlern gelernt.

Die Erhaltung der verbleibenden Megafauna wird wahrscheinlich eine schwierige und komplexe Aufgabe sein, da die Megafauna in verschiedenen Klassen und somit auch in unterschiedlichen Lebensräumen vorkommen (Land, Süsswasser, Meer, …) und auf der ganzen Welt verstreut sind. Basierend auf den in der Studie vorgestellten Untersuchungen betonen die Forscher, dass jede Erhaltungsstrategie primär die Minimierung der direkten Tötung von Megafauna im Fokus haben muss.

(Good Job Botswana)

Quellenverzeichnis
Titelbild von Unsplash (Anaïs Buan)
earth.ch: Our meat-eating is pushing Earth’s largest animals towards extinction
Are we eating the world’s megafauna to extinction? by William J. Ripple, Christopher Wolf, Thomas M. Newsome, Matthew G. Betts, Gerardo Ceballos, Franck Courchamp, Matt W. Hayward, Blaire Van Valkenburgh, Arian D. Wallach, Boris Worm

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