Zehn Ernährungsirrtümer, die echt veraltet sind

Silvester steht vor der Tür und damit auch die wiederkehrenden Neujahrsvorsätze. Solltest du endlich deine Junk Food geprägten Essgewohnheiten in den Griff bekommen wollen oder einfach so optimistisch sein und hoffen, dass du im Sommer 2021 wieder einmal deinen Bauch an der thailändischen Sonne bräunen darfst und dafür doch nur noch ein paar Kilöchen runter müssen, dann möchte ich für dich im vornherein noch ein paar hartnäckige Ernährungsmythen unter die Lupe nehmen.

1. Fett macht fett

Obwohl diese Aussage einleuchtend klingen mag, so ist sie dennoch falsch. Fett macht nicht per se fett. Das Depotfett, der Fettspeicher des Körpers, wird nicht nur durch die Aufnahme von Nahrungsfetten gespeist, sondern kann sich auch durch Zufuhr von Kohlenhydraten und sogar Proteinen aufbauen. Allerdings ist Fett der Makronährstoff mit der höchsten Energiedichte; Ein Gramm enthält 9 Kilokalorien, Kohlenhydrate und Eiweiss enthalten lediglich 4 kcal/g. Wer fettreich isst, nimmt also schneller mehr Kalorien zu sich. Dick wird man jedoch erst, wenn man seinem Körper über einen längeren Zeitraum mehr Kalorien zuführt als er verwerten kann. Dennoch wäre es falsch sich völlig fettfrei zu ernähren, denn Fette sind nicht nur ein guter Geschmacksträger, bestimmte Fettsäuren sind essentiell. Das heisst, unser Körper benötigt sie um seine Stoffwechselfunktionen aufrechtzuerhalten. Sie sind nicht nur Energieträger, sondern auch Bestandteil der Zellmembran und dienen als Ausgangsubstanz für lebenswichtige Hormone. Jedoch sind nicht alle Fette lebenswichtig und auch nicht alle gesund!

2. Spätes essen macht dick

Die Pasta, welche nach 18 Uhr gegessen wird, landet direkt auf den Hüften. Glücklicherweise stimmt das nicht, denn wie bereits erwähnt entscheidet die gesamte Kalorienmenge, welche du zu dir nimmst und dein täglicher Kalorienverbrauch ob du zunimmst oder nicht. Die Uhrzeit spielt da keine Rolle. Man muss sich das wie mit einer 100er-Note vorstellen, ob du dein Geld am Morgen auf den Putz haust oder über den Tag verteilt ausgibst, verändert schlussendlich nicht die Summe deiner Ausgaben.

3. Kohlenhydrate sind Dickmacher

Kohlenhydrate pauschal als Dickmacher zu verurteilen, wäre nicht gerechtfertigt. Denn chemisch unterscheiden sich die Kohlenhydrate in Schokokuchen stark von denen im Vollkornbrot. Süsse Speisen, Süssgetränke und Weissbrot enthalten kürzere Zuckerketten, welche vom Körper schnell verdaut und aufgenommen werden können. Das hat zur Folge, dass der Blutzucker schneller in die Höhe schiesst und wir nach kurzer Zeit wieder Hunger verspüren. Komplexe Kohlenhydrate, oder auch Mehrfachzucker, wie in Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten, sind lange Molekülketten. Der Körper ist länger mit deren Verdauung beschäftigt und gibt den Zucker langsamer ins Blut ab. Wir sind somit länger gesättigt. Glukose, der abgespaltene Einfachzucker, dient als Hauptenergielieferant für Gehirn, Organe und Zellen. Gesundheitlich gesehen, macht es also keinen Sinn auf diese Energiequelle zu verzichten. Wer jedoch trotzdem weniger Kohlenhydrate und Zucker zu sich nehmen möchte, ist am besten damit bedient sich slow carb, statt low carb, zu ernähren. Das heisst, man verzichtet auf einfachen Zucker, welchen man in Süssigkeiten und Softdrinks findet, langt aber bei Gemüse und Vollkornprodukten beherzt zu.

4. Entschlacken und Entgiften

Saft- und Fastenkuren werden oftmals damit beworben, dass sie unseren Körper von Umweltgiften befreien. «Schlacken», welche sich im Organismus anlagern sollen, gibt es aus wissenschaftlicher Sicht nicht. Unverwertbare Stoffwechselprodukte, wie Kreatinin und Harnstoff, werden vom Körper selbstständig ausgeschieden. Die Niere dient dabei als Filterorgan und braucht weder die Unterstützung von grünen Smoothies, noch muss sie durch ausgedehnte Fastenperioden angeregt werden.

5. Es ist egal, woher die Kalorien stammen

Wer Gewicht zu- oder abnehmen möchte, muss eine einfache Faustregel befolgen; mehr Kalorien aufnehmen als man verbraucht führt zur Gewichtszunahmen, weniger Kalorien zu Gewichtsabnahme. Doch ist Kalorie wirklich gleich Kalorie? Ist es egal woher meine Kalorien stammen? Nicht umsonst spricht man bei Cola und Gummibärchen auch von leeren Kalorien. Natürlich sind sie nicht leer, jedoch sind 100 Kilokalorien aus Softdrinks sehr schnell runtergespült, bieten jedoch kein Sättigungsgefühl und kaum Nährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, etc.).

Möchte man zunehmen, können «leere» Kalorien unterstützend wirken, möchte man jedoch abnehmen wird es bei solchen kaloriendichten Lebensmittel sehr schwierig sein Kalorienlimit einzuhalten.

6. Light Produkte machen schlank

Sich mit Light Chips vor dem Fernseher vollstopfen und dabei noch abnehmen? Genau hier liegt der Trugschluss bei Light Produkten. Der Begriff «light» ist nicht geschützt, ein Light Produkt muss also nicht zwangsläufig weniger Kalorien haben als sein Original. Oftmals wird Fett einfach durch Zucker ersetzt oder umgekehrt. Es wird also mit «weniger Fett» gelabelt, ist aber genauso kalorienreich. Und sollte das Light Produkt wirklich weniger Kalorien haben, dann spielt uns unser Kopf gerne auch mal Streiche: «Ein Schokopudding geht noch, ist ja light».

Und zack hat man sich die gesparten Kalorien wieder reingedrückt.

7. Eiweiss und Kohlenhydrate getrennt essen (Trennkost)

Diese Annahme ist wissenschaftlich längst widerlegt und es gibt keinen plausiblen Grund, weshalb unser Körper Kohlenhydrate und Proteine nicht gleichzeitig verwerten kann. Auch proteinreiche Lebensmittel, wie Magerquark enthalten Kohlenhydrate und auch kohlenhydratreiche Kartoffeln, haben Protein.

8. Schlank im Schlaf

Sich schlank schlafen, das funktioniert wohl nur in unserer Traumwelt. Leider verliert ein ausgeschlafener Mensch nicht mehr Kilos über Nacht. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil der Fall; man nimmt zwar im Schlaf nicht zu, wer jedoch dauerhaft übermüdet ist, legt schneller Pfunde an. Wenn dem Körper Schlaf fehlt, wird eine erhöhte Menge des Hormons Ghrelin ausgeschüttet, welches appetitanregend wirkt. Müde Menschen geben diesem Hungergefühl dann eher nach und erhöhen somit auch ihr Risiko, sich zu überessen.

9. Tiefkühlgemüse enthält keine/weniger Vitamine

Tiefkühlgemüse wird schon wenige Stunden nach der Ernte verarbeitet bzw. schockgefrostet. Vitamine und Mineralstoffe bleiben so erhalten, auch über mehrere Monate im Tiefkühlregal. Frisches Gemüse muss nach der Ernte noch zum Markt oder in den Supermarkt transportiert werden, dort liegt es eine Weile rum und dann bei uns zuhause auch noch mal. Somit ist tiefgekühltes Gemüse sogar «frischer» und vitaminreicher als das meiste frische Gemüse.

10. Fruchtzucker ist besser als weisser Zucker

Fruchtzucker. Da steckt Frucht drin, das muss doch gesund sein! Tatsächlich kommt Fruchtzucker, oder auch Fructose genannt, natürlicherweise in Früchten vor. Äpfel, Mandarinen und Kirschen sind nicht ungesund, im Gegenteil. Doch wieso kann Fructose auch schädlich sein?

Der weisse Haushaltszucker ist ein Disaccharid, d.h. er besteht aus zwei unterschiedlichen Zuckermolekülen, der Glukose und der Fructose. Reine Fructose ist jedoch doppelt so süss wie Glukose (auch als Traubenzucker bekannt). Diese Süsse macht sich die Industrie zunutze und hochkonzentrierte, industriell hergestellte Fructose wird immer häufiger für Fertigprodukte, Gummibärchen, Limonaden, Süssgebäcke, usw. verwendet. Oftmals werden Produkte damit beworben gesünder zu sein, da sie «weniger Zucker» enthalten oder nur mit Fruchtzucker gesüsst sind. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe lässt uns schnell erahnen, dass da nicht mit frischen Früchten gesüsst wurde, sondern hochverarbeitete Sirups zum Einsatz kommen. Ausserdem wird eine erhöhte Fructose-Aufnahme durch industriell verarbeitete Lebensmittel mit verschiedensten Zivilisationskrankheiten in Verbindung gebracht.

Quellenangaben:
Titelbild + Bilder von unsplash.com
GEO Wissen Ernährung 05/18 – Welche Diät ist die Richtige für mich?

 

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